Elisabeth Päthz verläßt Deutsche Frauen-Nationalmannschaft

Verfasst von a.f. am .

Zwei Jahrzehnte lang prägte die Juniorenweltmeisterrin U20 das Bild der Deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Die langjährig einzige deutsche Weltklassespielerin führte das Team zu Medallien. Und sie ließ mit Ihrem Wirken so manchen Blitz ins Bewußsein der männlichen dominierten Schachgemeinschaft einschlagen: Das deutsche Frauenschach lebt(e), feiert(e) internationale Erfolge und läßt (ließ) Schachdeutschland Respekt, Stolz und Freude erleben. Deutschlands stärkste Schachspielerin hat nun genug. Die Deutsche Nationalmannschaft wird auf die Nummer zwanzig der Welt verzichten müssen.

"Erklärung der Erfurter Schach-Großmeisterin Elisabeth Pähtz zum Rücktritt aus der Nationalmannschaft

Hiermit trete ich mit sofortiger Wirkung aus der Nationalmannschaft zurück. Mehr als 20 Jahre habe ich den Deutschen Schachbund (DSB) erfolgreich bei internationalen Wettkämpfen und Einzelturnieren vertreten.

Seit 2012 gewann ich sieben Einzel- und zwei Teamgoldmedaillen für mein Land - leider ohne den Eindruck, dass sich damit im Verband etwas an der Grundeinstellung gegenüber dem Frauenschach ändern würde. Erstklassige Turniere wie für die Männer in Baden-Baden oder Dortmund hat es für Frauen nie gegeben und wird es wohl auch künftig nicht geben.

Mein letzter Versuch im vergangenen Jahr, meinen Standpunkt und meine Unzufriedenheit über die Ungleichbehandlung der Frauen dem Präsidium des DSB zu erläutern, scheiterte. 
In Deutschland geht es im Schach allein um Elo-Zahlen.  Medaillen spielen dabei offenbar keine Rolle. Durch Jana Schneider, Fiona Sieber, Annmarie Mütsch und mich wurden in den letzten Jahren für Deutschland die meisten Medaillen im Schach geholt. Wenn der DSB jedoch immer wieder allein die absolute Weltrangliste als Maßstab anlegt, bleiben solche Erfolge nicht nur ungewürdigt, sondern vor allem auch ohne Ausstrahlung auf die Entwicklung von Talenten und das Ansehen des Schachs im Konzert der anderen Sportarten.

Ich möchte mich für Zusammenarbeit bedanken und wünsche dem Deutschen Schachbund viel Erfolg für die Zukunft."

Thüringer Allgemeine

 

 

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